Sonntag, 6. August 2017

Wo geht's hier nach Schottland?

So, Leute, anschnallen, jetzt geht's nach Schottland...!

Wieder 'mal ein Reiseziel, das für mich komplett neu ist, nicht nur mit dem Wohnmobil, sondern überhaupt! Ich war vor vielen Jahren zwar schon 'mal in England und auch in Irland, aber bis nach Schottland hab ich's bis jetzt noch nie geschafft!

Natürlich habe ich mich auch dieses Mal wieder ein wenig vorbereitet und mit Hilfe diverser Reiseführer, Dokumentationen und natürlich auch online auf das Land eingestimmt; umso gespannter war ich, wie das alles in Wirklichkeit aussehen würde! Eine genaue Reiseroute habe ich nicht ausgearbeitet; so, wie ich das verstanden habe, muss man sich eigentlich nur entscheiden, ob man links herum oder rechts herum fahren möchte, wenn man das ganze Land umrunden möchte (ich entschied mich für eine Tour im Uhrzeigersinn).

Apropos, "links"! Vor dem Linksverkehr habe ich überhaupt keine Angst, denn ich weiß, dass man sich sehr schnell (eigentlich schon innerhalb weniger Minuten) daran gewöhnt; entsprechende Erfahrungen habe ich bereits auf vielen Reisen in Australien und Neuseeland gemacht, auch mit einem Wohnmobil.

Für die Anreise hatte ich mich für eine Fährüberfahrt von Hoek van Holland, ganz in der Nähe von Rotterdam, nach Harwich entschieden; es gibt zwar diverse andere Möglichkeiten, aber dies war wegen der sehr frühen Buchung die preiswerteste, und die Fahrt quer durch England sollte eigentlich auch nur an einem Tag über die Bühne gehen können...

Aber erst 'mal musste ich natürlich nach Hoek van Holland kommen! Ich bin heute morgen bereits um 6:15 Uhr aufgestanden und war daher in Rekordzeit, nämlich um 7:00 Uhr, bereits auf der "Piste", genauer gesagt auf der A23 Richtung Hamburg.

Heute ist Sonntag, das bedeutet, es sind (fast) keine LKW auf den Straßen und auch der PKW-Verkehr ist natürlich nicht so dicht wie an Werktagen. Ich kam also sehr schnell voran, und durch das absolut entspannte Fahren benötigte ich auch nur wenige, vor allem sehr kurze Pausen. Etwa 80 km vor Rotterdam gab's aber dann doch noch eine etwas längere Rast, denn ich hatte seit dem (etwas "spartanischen") Frühstück nichts mehr gegessen. Ich kam mit einer sehr netten holländischen Familie ins Gespräch; Anlass war wieder einmal mein schon 'mal erwähnter Europa-Aufkleber auf der Heckklappe meines Wohnmobils... ;-) Natürlich sprachen sie, wie viele Holländer, perfektes Deutsch, sogar der etwa 12-jährige Junge.

Nach einer Stärkung ging es dann weiter, nun hatte ich ja nicht mehr allzu viel vor mir. Um kurz nach 15:00 Uhr kam ich, nach etwa 1.000 gefühlten Kreisverkehren, hier in Hoek van Holland (das bedeutet übrigens so viel wie "Ecke von Holland") an. Ich fuhr zunächst um den kleinen Ort herum, Richtung Westen, bis zu einer Promenade direkt am Hauptmündungsarm des Rheins, der hier allerdings Alte Maas heisst. Hier gibt es genau fünf Parkplätze speziell für Wohnmobile, zwar ohne jegliche Einrichtungen, dafür aber kostenlos und mit einem "unbezahlbaren" Ausblick!

Als ich dort eintraf, waren leider alle fünf Plätze belegt; nachdem ich mein WoMo aber auf einem anderen, sehr großen Parkplatz abgestellt hatte und etwa 30 Minuten später eine zweite "Runde" machte, hatte ich Glück: ein britisches Wohnmobil machte gerade einen der Stellplätze frei. Ich vermutete, dass es wohl mit der Abendfähre nach Großbritannien fahren würde...

Egal, Hauptsache, ich konnte jetzt hier einparken! Ich legte nun eine kleine Kaffeepause ein, danach sattelte ich mein Pferd... ähm... mein Fahrrad und unternahm eine schöne Fahrradtour. Meine Fähre ging ja erst morgen Mittag, so hatte ich also genügend Zeit, diesen kleinen und sehr schön gelegenen Ort und dessen Umgebung kennenzulernen. Das Wetter dazu war mehr als perfekt; 21 Grad, ein ganz leichter Wind und kaum Wolken...


Ich fuhr zuerst zum Strand, wo ich mein Fahrrad abstellte und mich ein wenig umsah. Ich wurde sofort an Sankt Peter-Ording erinnert; ein sehr breiter und vor allem langer Strand, viele (sehr viele!) Menschen, die das tolle Wetter genossen, und ein tiefblaues Meer erwarteten mich hier.


Diese direkt auf dem Sand gebauten Ferienhäuser sind eigentlich nicht so mein Geschmack, aber praktisch sind sie mit Sicherheit. Könnte mir auch gut vorstellen, dass das wohl kein so preiswertes Vergnügen sein könnte... ;-)


Ich schnappte mir wieder mein Fahrrad und fuhr das kurze Stückchen zur nördlichen Mole; genau hier fließt der Rhein in die Nordsee. Ich freute mich schon jetzt auf die Überfahrt morgen; hoffentlich habe ich dann auch so schönes Wetter wie heute...






Auf dem Weg in Richtung Stadt passierte ich am Nordpier das Atlantikwall-Museum, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte; es ist in einem 1943 von den Deutschen erbauten Geschützbunker untergebracht. Sicher wäre es interessant gewesen, hier etwas mehr Zeit zu verbringen, aber ich dachte mir, es wäre wohl doch sinnvoller, das schöne Wetter auszunutzen und zu genießen.


Dieses etwas "gewöhnungsbedürftige", aber wohl sehr umweltfreundliche Restaurant/Café trägt den Namen Expo Unicum. Mir Recht, finde ich... ;-)


Hier fährt gerade die Stena Britannica in den Hafen ein, das Schwesterschiff "meiner" Fähre, der Stena Hollandica. Beide wurden in Wismar und in Warnemünde gebaut und 2010 fertiggestellt; sie sind bzgl. ihrer Länge von ca. 240 m die größten Autofähren der Welt!   


Zum Abschluss meiner Tour sah ich mich ein wenig im Ort selbst um. Hoek van Holland ist relativ klein, mit einem sehr kompakten Stadtkern. Hier herrschte, jetzt am Sonntagnachmittag, kaum Betrieb; vermutlich waren alle am Strand... ;-)


Nachdem ich wieder zurück war und mein Fahrrad verstaut hatte, setzte ich mich auf eine Bank direkt vor meinem Wohnmobil, schaute dem bunten Treiben am und auf dem Fluß zu und genoß die wunderschöne Nachmittagssonne; gegen Abend gesellten sich ein paar Nüsse und eine Flasche Wein dazu...

Und wieder sprach mich jemand wegen des bereits erwähnten Europa-Aufklebers an; so langsam hatte ich das Gefühl, dass diese 34-Euro-Investition fast dieselbe Wirkung hatte, als wenn ich mit einem Baby, mit einem Hund oder mit einer Drohne unterwegs gewesen wäre... ;-)

Es handelte sich um einen etwa 35 Jahre alten Holländer mit seiner serbischen Freundin. Auch er sprach natürlich perfektes Deutsch (hat eine deutsche Mutter), während sie anscheinend weder Deutsch noch Holländisch sprach. Was mich allerdings viel mehr erstaunte, war sein Vorname: er heißt nämlich Hans-Joachim, so wie mein Bruder, und er hat ebenfalls einen Bruder. Der heißt Wolfgang, so wie ich... ;-) Ja, gibt's denn sowas...?

Natürlich lag meine Kamera immer neben mir und so konnte ich, bei sehr schönem Fotolicht, den einen oder anderen zeigenswerten Schnappschuss ergattern.  








Nach dem Abendessen und etwas "Glotze" ging ich noch 'mal nach draußen; es war immer noch recht warm und angenehm. Wieder eher zufällig sah ich nun schon das zweite Mal heute die riesige Fähre, die gerade eben in Richtung Harwich abgelegt hatte. 


Trotz der langen Fahrt von Pinneberg bis hierher hatte ich einen wunderschönen ersten Tag; so konnte es von mir aus ruhig weitergehen...

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