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Freitag, 24. Juni 2016

In Tromsø

So langsam, aber sicher, komme ich dem eigentlichen Ziel und dem Wendepunkt meiner Reise, dem Nordkap, immer näher! Von Harstad bis dorthin sind's jetzt nur noch etwas mehr als 900 Kilometer!

Die direkte Verbindung würde überwiegend auf der bereits mehrfach erwähnten Europastraße E6 erfolgen, allerdings wollte ich mir einen weiteren Abstecher "genehmigen", um die größte Stadt Nordnorwegens besuchen zu können!

Tromsø liegt etwa 70 Kilometer abseits der E6, hat ca. 74.000 Einwohner und kann neben dem schon oben aufgeführten mit einigen weiteren Superlativen glänzen: flächenmäßig größte Stadt Norwegens (so groß wie das Saarland!), nördlichste Universität der Welt, nördlichste Kathedrale der Welt, größte Stadt nördlich des Polarkeises, nördlichste Brauerei der Welt, usw..

Leider kommt noch ein weiterer Superlativ dazu, jedenfalls aus meiner Sicht: Tromsø war die verregnetste von allen bisher besuchten Städten auf dieser Reise, und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie diesen Titel noch abgeben wird! Tromsø lag bei meiner Ankunft unter einer einzigen, wirklich dicken und bedrohlich aussehenden Regenwolke. Während des gesamten Nachmittags und während des Abends wechselten sich Nieselregen, Starkregen und "nur noch 'n bisschen Abtropfen" ab und machten mir es wirklich schwer, die Stadt zu genießen...

Die Universität, der Flughafen und das Zentrum der Stadt liegen auf der Insel Tromsøya; die meisten Besucher erreichen oder verlassen sie über die imposante Tromsøbrua (Tromsø-Brücke), die nach ihrer Fertigstellung 1960 Nordeuropas größte Spannbetonbrücke war und heute zu den Wahrzeichen der Stadt gehört.



Als erstes wollte ich mir einen Übernachtungsplatz suchen. Mein Reiseführer sprach von einem zwar kostenpflichtigen, aber "strategisch" günstig gelegenen Parkplatz neben dem Polarium, den wollte ich aufsuchen! Statt einer Adresse gab ich, wie so oft, lediglich die angegebenen Koordinaten ins Navi ein und fuhr dann nach Anweisung los. Nachdem es immer höher und höher einen Berg hinaufging und die Straßen immer abenteuerlicher, steiler und enger wurden, kamen mir die ersten Bedenken. Ich landete schließlich an einem Punkt, an dem weit und breit nichts von einem Parkplatz und schon gar nichts vom Polarium zu sehen war; ich war allerdings froh, dass ich "Hannelore" hier wenigstens heil hinaufbekommen hab'. Nun suchte ich im Internet nach der Adresse des Polariums, gab diese ins Navi ein und stellte fest, dass sich der Autor des Reiseführers einfach 'mal einen fiesen Zahlendreher erlaubt hatte! Mist, das kommt davon, wenn man die programmierte Route vor der Abfahrt nicht sorgfältig kontrolliert...

Schließlich landete ich dann doch endlich auf dem besagten Parkplatz, der direkt am Hafen lag und mit fast 24,- EUR für 18 Stunden der bisher teuerste dieser Reise war!  

Wegen des Regenwetters konnte ich es mir nicht leisten, mit dem Fahrrad zu fahren, sondern ich machte einen ausgiebigen Spaziergang durch die relativ kompakte, durchaus sehenswerte Innenstadt; bei jedem Regenguß konnte ich mich schnell irgendwo unterstellen oder in einen Laden gehen.

Das Erlebniszentrum Polaria, das über die Polarregion und die Barentsee informiert und direkt neben meinem Parkplatz liegt, ist ganz sicher einen Besuch wert, erst recht, wenn es draußen regnet, allerdings hatte ich nur diesen einen Nachmittag und wollte mir deshalb lieber die Stadt ansehen. Das Museum ist in einer charakteristisch geformten Stahlbeton-Konstruktion untergebracht, die an fünf sich an Land schiebende Eisschollen erinnern soll.



Ich war unterwegs in Richtung Hafen, als auf einmal eine megalaute Schiffssirene ertönte, die einem schon 'mal durch "Mark und Pfenning" gehen kann, wenn man nicht darauf vorbereitet ist! Kurz darauf war ich an Ort und Stelle und konnte, wie schon häufiger, ein Schiff der Hurtigruten-Linie beim Auslaufen beobachten; zu meinem Erstaunen war es eine alte Bekannte, die "Kong Harald", die ich schon gestern in Harstad angetroffen hatte! Jetzt liefen mein Fahrplan und der der Hurtigruten offensichtlich endgültig synchron... ;-)



Von hier aus konnte ich ganz bequem eine weitere Sehenswürdigkeit Tromsøs fotografieren, nämlich die berühmte Eismeerkathedrale, die die wohl markanteste Kirche Norwegens ist und das größte Glasmosaikfenster Europas aufweist. Sie liegt auf der anderen Seite der oben gezeigten Brücke; ich musste hier also eine sehr große Brennweite verwenden.



Weiter ging es, am Hafen entlang, in den eigentlichen Innenstadtbereich, der mir ziemlich "ausgestorben" vorkam. Woran das wohl lag...? ;-)







Ich weiß nicht, warum, aber beim Anblick dieser alten Reifen kamen plötzlich heimatliche Gefühle in mir auf; schließlich lief ja gerade die Fussball-EM... ;-)

Donnerstag, 23. Juni 2016

Farvel, Lofoten!

Heute ist bereits mein sechster Tag auf den Lofoten! Da ich von meinem Übernachtungsplatz bis zum Übergang der Europastraße E6 auf das Festland noch mehr als 200 km zu fahren hatte, würde ich mit meinem geplanten Aufenthalt von etwa einer Woche auf den Lofoten auch ganz gut hinkommen.

Ich könnte vielleicht doch noch ein oder zwei Tage dranhängen, aber die Wettervorhersage für die ganze nächste Woche versprach überhaupt keine Besserung und so entschloss ich mich schweren Herzens, zurück auf's Festland und weiter Richtung Nordkap zu fahren. Ich denke, dass ich in den nächsten Jahren noch einmal hierher zurückkehren kann, dann hoffentlich mit mehr Zeit und/oder mehr Glück beim Wetter!

Als heutiges Etappenziel hatte ich mir Harstad ausgewählt, mit fast 25.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Nordnorwegen, auf der Insel Hinnøya gelegen.

Die Fahrt dorthin verlief mehr oder weniger ereignislos, etwas aufgelockert nur nur eine Fährpassage. Das Wetter war, sagen wir's 'mal ganz neutral, wechselhaft; ab und zu blinzelte die Sonne durch, häufig gab es Regen, aber die meiste Zeit hindurch zeigte sich der Himmel "grau in grau"...

Mein Ziel erreichte ich am Spätnachmittag; ich fand direkt am Hafen einen kostenlosen (weil nach 16:00 Uhr) Parkplatz und genehmigte mir erst einmal ein "dringendes Käffchen".



Danach raffte ich mich zu einem kleinen Spaziergang am Hafen entlang durch die Stadt auf, obwohl es immer wieder 'mal nieselte. Nach der Rückkehr zum Wohnmobil und einem kurzen "Feierabend-Schläfchen" hatten sich die "bösen" Wolken überraschenderweise fast vollständig verzogen und der Hafen präsentierte sich in schönstem Sonnenschein! Also unternahm ich einen zweiten Spaziergang und genoss, seit mehreren Tagen das erste Mal, die schöne und wärmende Abendsonne.







Harstad ist auch Anlegestelle der Schiffe der Hurtigruten. Auch dieses Mal hatte ich Glück und konnte eines diese Schiffe, die "Kong Harald", beim Einlaufen beobachten. Bin gespannt, wieviele diese weiß-rot-schwarzen Schiffe ich am Ende der Reise gesehen haben werde; ein paar Gelegenheiten gibt's ja noch (Tromsø, Honnigsvåg, Kirkenes).

Mittwoch, 22. Juni 2016

Von Å nach Eggum

Der Regen hatte in der Nacht aufgehört, so konnte ich mir nach einem gemütlichen Frühstück wenigstens den Ort etwas genauer ansehen. Vom Parkplatz aus führte ein zunächst bequemer, geteerter Fußweg auf ein riesiges, größtenteils bemoostes Felsplateau ganz im Süden des Orts, von dem aus man auf das Meer und die gewaltigen Felswände drumherum blicken konnte. 


Von dort aus ging es dann in den kleinen Ort, dessen Häuser teilweise sehr verstreut liegen und die sich zwangsläufig an den überwiegend felsigen Untergrund anpassen und daher meist auf Stelzen stehen müssen.


Es gibt ein sehenswertes Fischereimuseum und am Ortseingang sogar das einzige Stockfischmuseum der Welt, wo man sämtliche Arbeitsvorgänge vom Fang des Dorsches bis hin zum Versand der gepressten Stockfischbündel nach Italien und in andere Länder nachverfolgen kann.

Gegen 11:00 Uhr ging ich wieder zurück zum Wohnmobil und setzte meine Reise fort. Da Å der südlichste Ort auf der E10 ist und diese dort endet, fuhr ich nun dieselbe Strecke zurück, auf der ich gestern gekommen war. Meinen ersten ausgiebigen Fotostopp legte ich in Reine ein, einer sehr idyllisch auf mehreren Inseln verstreuten 300-Seelen-Gemeinde. Als ich gestern hier vorbeikam, regnete es in Strömen, heute aber kam wenigstens ab und zu die Sonne zum Vorschein und ich konnte von einem Parkplatz etwas oberhalb aus ein paar brauchbare Fotos machen.







Anschließend spazierte ich noch ein wenig durch den Ort, legte eine kleine Mittagspause ein und fuhr schließlich weiter.

Direkt hinter der ersten von zwei aufeinander folgenden Brücken hielt ich an einem Laden, in dem unter anderem Fisch aus der Region verkauft wurde; dort erstand ich ein kleines Päckchen mit Stockfisch (der schon durch die Verpackung ziemlich übel roch!) sowie eine besondere norwegische Ziegenkäsespezialität, die eher nach Nougat und Karamell schmecken soll als nach Käse; ob's stimmt, werde ich erst erfahren, wenn ich wieder zuhause bin...


Für die Nacht hatte ich mir wieder einen Picknickplatz mit freiem Blick auf die Mitternachtssonne ausgewählt, in der Nähe des kleinen Orts Eggum. Dort konnte man für umgerechnt ca. 14,- Euro prima stehen, von Sonne war allerdings den gesamten Nachmittag und Abend absolut nichts zu sehen. Wenn man auf die Ruine einer alten Radarstation aus dem zweiten Weltkrieg kletterte, hatte man einen sehr schönen Rundblick auf den Platz, die umliegenden Berge und natürlich auf das Meer...


Dienstag, 21. Juni 2016

Wer "Å" sagt...

...muss in diesem Fall nicht zwangsläufig "B" sagen, sondern spricht hier wahrscheinlich vom südlichsten Ort auf den Lofoten, am äußersten Ende der Europastraße E10 gelegen, der den kürzesten Ortsnamen der Welt aufweisen kann! Klar, es gibt noch ein paar weitere Orte auf der Welt, deren Namen ebenfalls nur aus einem Buchstaben bestehen, und ganz offiziell heißt diese 100-Seelen-Gemeinde ja auch "Å i Lofoten", aber trotzdem stimmt die obige Behauptung! Der Name bedeutet übrigens soviel wie "Bach" oder "kleiner Fluß".

Å hatte ich mir heute als Tagesziel vorgenommen; die direkte Entfernung von meinem gestrigen Übernachtungsplatz betrug nur etwa 70 Kilometer, aber natürlich wollte ich zusätzlich einige Abstecher machen. Die Entfernungen auf den Lofoten sind glücklicherweise nicht besonders groß und es gibt, obwohl es bei einem ersten Blick auf die Karte nicht so aussieht, unzählige Möglichkeiten, von der "Hauptader" E10 abzubiegen, um dadurch etwas abgelegenere Orte und Strände besuchen zu können. Den Weg von Å bis nach Svolvær, dem Ort, an dem ich mit der Fähre angekommen war, musste ich sowieso wieder zurückfahren; erst ganz im Norden der Lofoten führt die E10 auf's Festland zurück...

Mein erstes Ziel war der Ort Leknes, mit über 2.700 Einwohnern sowie Flug- und Seehafen für Lofoten-Verhältnisse schon fast als Großstadt zu bezeichnen! Dort hielt ich allerdings nur, um zu tanken, zu entsorgen (Abwasser ablassen, Frischwasser auffüllen und Chemie-Toilette entleeren) und um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.

Bei Vareid bog ich von der E10 ab und fuhr zum kleinen Ort Vikten. Dort kann man eine Glashütte besuchen und den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen.



Leider war es noch viel zu früh; die Familie Tagrand (Vater und Sohn) war zwar anwesend, aber die öffentliche Vorführung fand erst viel später statt. Trotzdem war es interessant, sich dort umzusehen; im Shop werden die Erzeugnisse der beiden Künstler angeboten, und zwar zu wirklich "saftigen" Preisen.



Eigentlich hatte ich es auf ein ganz besonderes Souvenir abgesehen, ein entweder aus Glas geblasenes oder aus Metall geschmiedetes stilisiertes Wikingerboot mit drei Männern und vier unter dem Boot schwimmenden Fischen, aber das war selbst in der kleinsten Ausführung derartig teuer, dass ich mich mit einer pyramidenförmigen Kerze begnügen musste, auf der ebenfalls das beschriebene Motiv abgebildet war. Dieses Symbol wird "Lofotruna" genannt, ist das bekannteste Erzeugnis der Glashütte und gilt heute als regionales Warenzeichen der Lofoten.



Wieder zurück auf der E10, hielt ich nach einer Weile kurz vor dem Örtchen Ramberg auf einem Parkplatz, von dem aus man einen sehr schönen (weil erhöhten) Blick auf den schneeweißen Sandstrand und den Ort hatte. Dort stand ein Trecker mit einem angehängten Schäferwagen, der mir irgendwie bekannt vorkam. Ich dachte zuerst an "Deutz-Willi", über den und dessen Nordkap-Reise ja schon mehrfach im Fernsehen berichtet wurde, aber dann fiel mir ein, dass der ja mit einem ganz normalen Wohnwagen unterwegs war. Mittlerweile weiß ich, dass es sich um den 66-jährigen Klaus Schäfer (wie passend!) aus Wannweil handelte, der seit Ende April 2016 ebenfalls zum Nordkap unterwegs war, und der sich für die etwa 9000 Kilometer lange Reise drei bis vier Monate Zeit genommen hatte; kein Wunder bei 25 km/h Höchstgeschwindigkeit! Leider war er selbst nicht anwesend; wäre sicher interessant gewesen, ihm zuzuhören...



Seit ich auf den Lofoten bin, habe ich unzählige hölzerne Stockfischgestelle gesehen, die aber allesamt leer waren; ich dachte schon, dass es vielleicht an der Jahreszeit liegen könnte. Heute aber sah ich während der Fahrt jede Menge Stockfisch oder deren Köpfe, auf den teilweise riesigen Gestellen zum Trocken aufgehängt. Grundlage für die Produktion ist hauptsächlich Dorsch, Hauptabnehmer für Stockfisch sind Italien, Schweden und die USA; die Köpfe gehen meistens nach Nigeria, wo sie für die Zubereitung einer Fischsuppe verwendet werden.





Nach einigen weiteren, kleineren Abstechern und einigen Fotostopps erreichte ich am Spätnachmittag schließlich den oben erwähnten Ort Å; die E10 endet dort direkt hinter einem kurzen Tunnel auf einem riesigen Parkplatz. Hier standen neben einigen PKW und ein paar Bussen jede Menge Wohnmobile, aber trotzdem war der Parkplatz noch nicht einmal zur Hälfte belegt.





Den gesamten Rest des Tages war ich wieder einmal gezwungen, im Wohnmobil zu bleiben; schon während der letzten Stunde fing es zu regnen an, jetzt aber, nachdem ich mein Tagespensum hinter mir hatte, öffnete der Himmel wieder 'mal alle verfügbaren Schleusen; erst weit nach Mitternacht war endlich wieder "Ruhe im Karton"...

Montag, 20. Juni 2016

Endlich Mitternachtssonne

Der erste Blick nach dem Aufwachen heute morgen gilt natürlich wieder 'mal dem Wetter: Immer noch bedeckt, aber wenigstens kein Regen...

Nach dem Frühstück fahre ich nach Henningsvær, einem kleinen Fischerdorf, das oftmals auch als "Venedig des Nordens" bezeichnet wird. Es liegt nur etwa 24 Kilometer von Svolvær entfernt, dem Ort, an dem vorgestern meine Fähre vom Festland anlegte.

Nun, dass man sich nicht in Venedig befindet, merkt man allein schon am Wetter, aber auch sonst finde ich diese Bezeichnung doch sehr weit hergeholt! Der Ort liegt auf zwei länglichen, vorgelagerten Inseln, die parallel zueinander verlaufen, der Bereich dazwischen bildet praktisch den Hafen des Orts. Was mich daran aber an Venedig erinnern soll, bleibt mir während meines Besuchs vollständig verborgen; auch den kanalartigen Sund kann man beim besten Willen nicht mit dem Canal Grande der berühmten Lagunenstadt vergleichen...

Trotzdem ist der Ort, der ein beliebtes Touristenziel auf den Lofoten ist, natürlich hübsch anzusehen, selbst bei diesem grauen Himmel. Nachdem man zwei einspurige Brücken, deren Überquerung durch Ampelbetrieb geregelt wird, passiert hat, gelangt man auf einen geräumigen Parkplatz, auf dem man mit dem WoMo auch übernachten könnte. Von dort aus geht's zu Fuß durch den interessanten Ort.



Hier gibt's unzählige Fotomotive und der Ort ist noch ziemlich leert. Ab und zu kommt ein Kleinbus, "spuckt" ein paar Touristen aus, die sofort die Andenkenläden ins Visier nehmen, und ein paar Minuten später ist er schon wieder verschwunden.



Ich schlendere durch den Ort, fotografiere viel und merke, dass sich mein Magen erstaunlicherweise mehr für die vielen Restaurants und die einladend gestalteten Speisekarten interessiert als für die urigen Hafenanlagen mit ihren alten Holzbohlen. Hab' ich etwa nicht genug gefrühstückt? Ich rufe mich zur Ordnung, denn für's Mittagessen ist es ja noch viel zu früh! Nach dem Spaziergang kaufe ich noch einen Magneten und einen hübschen Seeigel als Souvenir, kehre zum WoMo zurück, bekämpfe den "kleinen Hunger" grimmig entschlossen mit einer viel zu reifen Banane und mache mich dann zu meinem nächsten Ziel auf.



Wieder zurück von meinem Abstecher nach Henningsvær, erreiche ich nach ein paar Minuten einmal mehr eine ziemlich imposante, weit geschwungene Brücke, die mich von den Austvågøya nach Gimsøy bringt, zwei der acht größeren Inseln der Lofoten.



Am Ende der Brücke biege ich von der E10 ab, fahre an der Ostküste von Gimsøy etwa sieben Kilometer nach Norden und besuche dort, direkt am Wasser, eine hübsche, weiße Kirche, auf deren Friedhof man uralte gusseiserne Grabplatten entdecken kann; die Kirche selbst wird auf einer Seite durch Stahlstangen gesichert, die sie vor starken Seitenwinden schützen sollen.






Auf der Westseite der Insel geht es wieder zurück zur E10, danach sofort über die nächste Brücke nach Vestvågøy, die bevölkerungsreichste Lofoteninsel. Das Wetter bessert sich ein wenig, und ich sehe in Richtung Norden, also wohl schon über dem Meer, doch tatsächlich ein paar blaue Lücken im Wolkenhimmel, die vielversprechend aussehen. Ich entschließe mich, einen der vielen in meinem Reiseführer aufgeführten Picknickplätze aufzusuchen, von denen aus man, gutes Wetter vorausgesetzt, angeblich die Mitternachtssonne sehen können soll. Vielleicht habe ich ja Glück...

Ich fahre also zum kleinen Dörfchen Uttakleiv und staune, als ich um kurz vor 16:00 Uhr einen der schönsten Strände der Lofoten sehe! Tiefblaues Meer, feiner, weißer Sandstrand, eine grandiose Bergkulisse drumherum und ein super schön angelegter Picknickplatz überzeugen mich in Sekundenschnelle, hier zu bleiben und auch zu übernachten, egal, wie das Wetter wird! Ich werfe 150 Kronen in eine kleine Holzbox und fahre dann hinauf zum etwas höher gelegenen Picknickplatz. Dort stehen zwar schon einige Wohnmobile und PKW, aber es gibt noch reichlich Platz für "Hannelore" und ich suche mir eine Stelle direkt an der Kante zur Picknickwiese und zum Strand aus; von hier aus habe ich einen herrlichen Blick auf das Meer, aber auch auf alles andere "unter mir"...



Jetzt gibt's Kaffee und Kuchen und ich freue mich, dass das Wetter tatsächlich immer besser wird. Na also, geht doch! Ich mache einen ausgiebigen Strandspaziergang und genieße die Atmosphäre.



Weil ich um Mitternacht und auch danach natürlich wach sein möchte, genehmige ich mir später ein kleines Schläfchen und erschrecke, als ich aufwache und feststelle, dass in der Zwischenzeit jemand die Sonne "verbummelt" hat; ein langes Wolkenband zieht vom Land in Richtung Meer und verdeckt bereits ein wenig die Sonne! Na klasse!

Aber ich habe heute wirklich Glück; je weiter die Wolken Richtung Sonne wandern, desto dünner (und wohl auch langsamer) werden sie und schließlich sind sie fast ganz verschwunden; um Mitternacht erlebe ich tatsächlich wieder einmal einen Höhepunkt meiner Skandinavienreise und erfülle mir damit einen uralten Wunsch! Auch Bart, mein ständiger Reisebegleiter, schält sich aus seiner kleinen Hütte (dem Getränkehalter am Armaturenbrett) und will sich das schöne Spektakel natürlich nicht entgehen lassen; sein ewig gleicher Gesichtsausdruck, erstaunte Augen und ein leichtes Grinsen, machen endlich 'mal richtig Sinn... ;-)





Um diese Zeit herrscht noch 'ne Menge Betrieb hier auf dem Platz; die Leute sitzen vor ihren Zelten oder an einem der vielen Picknicktische, entzünden kleine Lagerfeuer und genießen das tolle Wetter und die noch ziemlich hoch stehende Sonne.



Später machen sich einige zu einer Paddeltour auf, andere besteigen die umliegenden Berge, um einen noch tolleren Blick auf die Szenerie werfen zu können. Kurz vor 01:00 Uhr erreicht die Sonne ihren tiefsten Stand; ich mache noch einige Fotos und gehe etwa eine Stunde später zufrieden zu Bett...











Sonntag, 19. Juni 2016

Chillen auf den Lofoten

Heute morgen war ich wirklich froh, dass der ewige Regen endlich etwas nachließ und schließlich ganz aufhörte! Eigentlich empfinde ich es als angenehm, geradezu gemütlich, wenn Regen auf das WoMo-Dach trommelt, aber über viele Stunden ein derartig lautes Geprassel ertragen zu müssen, und das auch noch während der Nacht, ist nicht gerade schön...

Dementsprechend fühlte ich mich nach dem Aufstehen gegen 07:30 Uhr auch nicht so richtig ausgeschlafen. Ich beschloss deshalb und eben auch wegen des andauernden schlechten Wetters, einfach 'mal einen kompletten Tag Pause einzulegen! Man muss bedenken, dass ich ja seit Beginn meiner Reise vor etwa zwei Wochen eigentlich fast jeden Tag eine ziemliche Strecke fahren musste.

Mit Hilfe meines Reiseführers fand ich nur ein paar Kilometer von Kabelvåg entfernt, in der Nähe des winzigen Fischernests Kalle, eine sehr schöne, abgelegene Bucht mit kleinem Sandstrand, viel Grün und umgeben von für die Lofoten so typischen schroffen Bergen. Hier gab's neben einem anderen Wohnmobil nur ein paar Camper, die hier zelteten. Mein Wohnmobil ist auf dem Foto ganz unten rechts zu sehen.


Hier verbrachte ich tatsächlich den ganzen Tag, holte etwas Schlaf nach, machte einen lagen Spaziergang und erledigte außerdem noch so einige Dinge, die in den letzten Tagen angefallen sind, wie z.B. die dringend überfällige Innenreinigung meines Wohnmobils und das Aktualisieren des "Logbuchs" (dort trage ich alle Übernachtungen, alle Tankungen, jeden Gasflaschenwechsel, auftretende Probleme, Reparaturen usw. ein). 

Am Spätnachmittag durfte ich doch tatsächlich noch so ein bis zwei Sonnenstrahlen genießen, die sich wahrscheinlich hoffnungslos verirrt hatten und die kleine Bucht, zumindest zum Teil, in ein schönes Licht tauchten...


Da ich mich hier auf der Südostseite der Lofoten befand, hatte ich auch perfekten Satellitenempfang, deshalb konnte ich mir abends sogar noch ein Spiel der Fussball-EM ansehen (ich glaube, Frankreich-Schweiz). Eigentlich heisst es, dass man so weit nördlich keinen Satelliten mehr empfangen kann, jedenfalls nicht mit einer 65-cm-Schüssel auf dem Dach, aber bei mir klappte es heute hervorragend...

Samstag, 18. Juni 2016

Auf der Rennstrecke E6

Mit meiner Ankunft in Trondheim vor zwei Tagen ging das erste Drittel meiner Skandinavienreise, Fjordnorwegen, zu Ende. Für das zweite Drittel standen die Lofoten und das Nordkap auf dem Programm, während ich das letzte Drittel für die lange Rückreise über Finnland und Schweden nach Deutschland vorgesehen hatte.

Nun kann man aber Trondheim nicht gerade als Eingangstor zu den Lofoten bezeichnen, dazwischen liegen fast 900 Kilometer!

Für diese Strecke gibt's zwei mögliche Alternativen: Entweder man benutzt die manchmal auch als "Rennstrecke" bezeichnete, auf großen Strecken gut ausgebaute Europastraße E6, die die direkte Verbindung von Trondheim zu einem der in Frage kommenden Fährableger bildet, oder aber man fährt ab Steinker die FV17, den so genannten Kystriksveien, der landschaftlich zwar deutlich attraktiver ist, aber insgesamt sieben Fährverbindungen beinhaltet und für den man natürlich ein paar Tage mehr benötigt.

Ich musste mich, wieder 'mal aus Zeitgründen, für die erste Alternative entscheiden; die Wettervorhersage für die nächsten Tage war sowieso ziemlich mies, so dass mir diese Entscheidung nicht schwer fiel. Ich wollte die Fähre ab Skutvik nehmen, die mich auf die Lofoten bringen sollte; für die Strecke dorthin hatte ich zwei Tage eingeplant.

Meine Fahrt begann gestern, Freitag, in Trondheim, bei bestem Sonnenschein, der aber leider nur für etwa eine Stunde anhielt. Danach wurde es immer bewölkter, dann regnete es und an beiden Tagen, gestern und heute, hatte ich schließlich so ziemlich alles gesehen, was der Himmel "auf Lager" hatte: Regen in allen Variationen, dichten Nebel, Dunst, leichten Hagel und sogar etwas Schnee!

Einen ersten (kurzen) Fotostopp legte ich ein, als ich nach Nord-Norge einfuhr, einem Landesteil, der etwa ein Drittel Norwegens einnimmt und die Provinzen (norwegisch: Fylker) Nordland, Troms und Finnmark einschließt. Neben dem auf dem Foto abgebildeten imposanten Tor und einem kleinen Restaurant gab's allerdings so gut wie nichts zu sehen. Dort wurde gerade irgendetwas gebaut oder renoviert, daher gab es viel Lärm, schmutzige, teils sogar schlammige Wege, so dass ich mich nicht lange aufhielt.




Donnerstag, 16. Juni 2016

Über die Atlantikstraße

Heute wollte ich versuchen, bis nach Trondheim zu kommen, dabei aber einen Abstecher zur Atlantikstraße zu machen.

Die Atlantikstraße (norwegisch: Atlanterhavsvegen) ist ein etwa 8 Kilometer langer Abschnitt der Reichsstraße 63 zwischen den Orten Molde und Kristiansund. Durch ihren Verlauf mit acht Brücken über mehrere kleine Inseln ist sie eine beliebte Touristenattraktion. Besonders beeindruckend ist die mit 260 Metern längste der acht Brücken, die Storseisundbrücke, die eine Durchfahrthöhe von 26 Metern bietet und dadurch einen hohen "Buckel" bildet.

Da die Atlantikstraße direkt am Ausgang eines Fjords liegt, treten bei den Gezeitenwechseln zwischen den kleinen Inseln gewaltige Strömungen auf, wodurch diese Abschnitte auch bei einheimischen Anglern sehr beliebt sind. Bei starkem Wind oder gar Sturm werden die anrollenden Wellen oftmals gegen die Straße und die Brückenpfeiler gepeitscht und in die Höhe gepresst, sodass man, wenn man sich dort aufhält, sehr schnell in den Genuss von gründlichen Meerwasserduschen gelangt; auch bei einer Überquerung mit dem Fahrzeug sollte man in diesen Fällen sehr gut aufpassen.

Das alles wollte ich mir natürlich ebenfalls nicht entgehen lassen, leider stimmten aber wieder einmal die äußeren Umstände nicht mit meinen Wünschen überein!

Als ich morgens in Andalsnes losfuhr, hatte ich bestes Sommerwetter; weit und breit keine bedrohlichen Wolkenansammlungen zu sehen! Ich freute mich bereits, dass ich heute offensichtlich Glück mit dem Wetter haben sollte. Je näher ich aber der Küste und damit der Atlantikstraße kam, desto dunstiger wurde es und schließlich zog sich der Himmel ganz zu. Außerdem wehte überhaupt kein Wind; das Meer war glatt "wie in Kinderpopo"...

Naja, das Wetter macht halt, was es will. Ich frage mich manchmal, wann ich endlich lernen werde, mich nicht darüber zu ärgern... ;-)

Die Fahrt über die Atlantikstraße war trotzdem ein Erlebnis, obwohl ich sie mir vielleicht doch noch etwas spektakulärer vorgestellt hatte; ich bin sicher, dass meine Eindrücke bei passendem Wetter etwas besser gewesen wären. Und acht Kilometer sind ja auch ziemlich schnell durchfahren!



Mittwoch, 15. Juni 2016

Speedshopping in Ålesund

Da war doch 'was? Ach ja, iPhone kaputt!

Darum musste ich mich natürlich heute kümmern! Undenkbar, für den Rest der Reise auf das iPhone zu verzichten. Ich hatte ja auch noch ein iPad und sogar ein MacBook dabei, aber gerade unterwegs, also zu Fuß oder mit dem Fahrrad, ist das Smartphone für mich sehr wichtig, erst recht, wenn man im Notfall tatsächlich auch 'mal telefonieren muss.

Nach einer Recherche im Internet stellte ich mit Schrecken fest, dass es in ganz Norwegen nicht einen einzigen Apple Store gab, nicht einmal in Oslo! Apple hat hier lediglich verschiedene Vertragspartner, bei denen man Apple-Produkte kaufen oder auch reparieren lassen kann; der am nächsten gelegene Laden befindet sich demnach in Ålesund.

Eigentlich wollte ich von Geiranger aus entweder nach Norden, über den Trollstigen nach Andalsnes und später weiter zur Atlantikstraße oder aber zuerst nach Westen, zur Vogelinsel Runde, und dann erst zur Atlantikstraße. Mein Missgeschick gestern mit dem Smartphone nahm mir zumindest für heute die Entscheidung ab; es ging also Richtung Nordwesten, nach Ålesund.

Der erste Höhepunkt, kurz hinter Geiranger, war der Aufstieg über elf Serpentinen von Meereshöhe bis auf 620 Meter Höhe auf die so genannte Adlerstraße, die die Orte Geiranger am Geirangerfjord und Eidsdalen am Norddalsfjord verbindet, und der anschließende Blick hinab auf den Geirangerfjord.

Als ich oben ankam, lag Geiranger noch zur Hälfte im Schatten; es war ja noch ziemlich früh.  Vor Anker lag jetzt die "Mein Schiff 1", die sich in der Nacht oder am frühen Morgen irgendwie heimlich in den Fjord geschlichen haben muss, jedenfalls habe ich nichts davon bemerkt! Der Ausblick von hier oben in beide Richtungen des langgestrickten Fjords und auf den Wasserfall "Die sieben Schwestern" war fantastisch!






Dienstag, 14. Juni 2016

Rushhour in Geiranger

Tagesziel heute war Geiranger, am gleichnamigen Fjord gelegen, neben den Lofoten und dem Nordkap das Highlight meiner Reise! Hier überfluten täglich Tausende von Touristen das kleine Örtchen, denn die Kreuzfahrtschiffe geben sich dort die "Klinke in die Hand". Schon vor Jahren hatte ich mir vorgenommen, hier einmal mit dem Wohnmobil zu übernachten und dabei einen Stellplatz möglichst direkt am Ufer des Fjords zu ergattern, um dieses interessante Treiben zu beobachten. Dieser Wunsch ist heute in Erfüllung gegangen! Aber schön der Reihe nach... ;-)

Meine Fahrt begann, wie gewohnt, sehr früh, das Wetter war traumhaft schön und ich fuhr auf der Straße 15 zunächst in Richtung Stryn, also nach Westen. Eine superschöne Strecke; die Straße wurde links und rechts flankiert von unzähligen Seen, 'mal kleinere, 'mal größere, und natürlich von Bergen, oft wieder ohne Baumbestand und schneebedeckt, schließlich bewegt man sich hier auf etwa 900 Meter über dem Meeresspiegel.

Es war fast windstill, dadurch ergaben sich Spiegelungen der Berge in den Seen, die ich in dieser perfekten Art noch nie gesehen hatte! Leider kann man immer dann, wenn einem an den schönsten Stellen ein "Wow" entfährt, natürlich wieder 'mal nicht anhalten! Von einigen Parkbuchten und Picknickplätzen aus konnte ich dann aber doch so einige schöne Bilder in den Kasten bekommen...




Irgendwann, direkt vor einem langen Tunnel, bog ich dann von der 15 auf die kleinere 63 ab, Richtung Geiranger.