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Montag, 14. August 2017

Isle Of (No) Skye

Der befürchtete Mülllaster ist heute am frühen Morgen ausgeblieben, dafür hatte ich allerdings gegen Mitternacht Besuch! Ein Fahrzeug fuhr auf den kleinen Parkplatz, drehte mit extrem lauter Musik ein paar Runden auf dem winzigen Areal, hielt dann für ein paar Minuten und verschwand schließlich wieder in die Nacht! Immer wieder ein wenig "gruselig", wenn man irgendwo ganz allein in the middle of nowhere übernachtet; man weiß ja nicht, wer sich da so alles herumtreibt... Aber meistens sind's halt nur ausgelassene Jugendliche, die ihren Spaß haben und etwas Dampf ablassen wollen!

Leider regnete es auch heute den gesamten Tag über! Dazu lag bis zum späten Nachmittag wieder ein dicker Nebel über dem gesamten westlichen Schottland, so dass ich kaum Fotos machen konnte, die ich hier jetzt zeigen könnte.

Ich fuhr zunächst zum kleinen Ort Uig und von dort aus einmal komplett um die Nordspitze der Isle Of Skye. Das war wieder 'mal absolut spannend, denn zum einen fuhr ich durch eine wirklich schöne Landschaft, von der man trotz des miesen Wetters natürlich einiges mitbekam, andererseits verlief die Strecke wieder überwiegend auf single file roads, da war also sehr viel Aufmerksamkeit gefordert.

Kurz vor Staffin bog ich von der Küstenstraße nach rechts, Richtung Quiraing, ab, um ein weiteres Ziel, das ich mir bei der Reisevorbereitung ausgewählt hatte, anzusteuern. Der Quiraing ist eine geologische Formation im Norden der Insel und eine ihrer Hauptsehenswürdigkeiten; seine bizarren Formen locken viele Besucher an. Auf der Passhöhe befindet sich ein großer Parkplatz, der spektakuläre Aussichten bietet; dort könnte man mit dem WoMo auch über Nacht bleiben!

Ihr ahnt es schon, von all dem bekam ich leider absolut nichts mit! Als ich dort oben ankam, regnete es "Bindfäden" und die Sicht war gleich Null, eine Wanderung kam also nicht in Frage! Der Wetterbericht verhieß auch nichts Gutes, und so war ich ziemlich enttäuscht, dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehen musste! Die Isle Of Skye ist ja eigentlich für ihren Dauerregen bekannt, aber ich hatte einfach gehofft, etwas mehr Glück zu haben. 

Notiz: Nach Rückkehr von dieser Reise unbedingt bei der Britischen Regierung beantragen, dass die Insel in "Isle Of No Skye" umbenannt wird!

Auch die weiteren landschaftlichen Sehenswürdigkeiten an der Ostküste, wie z.B. der Kilt Rock oder der Old Man of Storr fielen buchstäblich "ins Wasser", und so entschloss ich mich für die Flucht nach vorn!

Ich fuhr durch die Inselhauptstadt Portree (wo ich mich eigentlich etwas umsehen wollte, aber alle geeigneten Parkplätze komplett belegt waren) und verließ schließlich gegen 14:00 Uhr die Insel, um danach weiter in Richtung Norden zu fahren. Mein Ziel war die kleine Hafenstadt Ullapool. Von hier aus fahren die Fähren auf die Inseln der Äußeren Hebriden.
  
Nach der gestrigen Übernachtung auf dem trostlosen Recycling Point stand mir heute wieder der Sinn nach einem guten Campingplatz, und so war ich mit dem Broomfield Holiday Park, direkt am Wasser gelegen, und einem etwas erhöhten Stellplatz, von dem man direkt auf die Bucht schauen konnte, mehr als zufrieden.

Nach einer kleinen Pause, während der eine Dose Bier und ein halbe Packung Knabbergebäck das Zeitliche segnen mussten, sah ich mir den winzigen Ort an (ca. 1.500 Einwohner). Sehr viel gab's hier nicht zu Bestaunen, außerdem regnete es natürlich immer noch; ich war, nun schon das zweite Mal auf dieser Reise, wieder mit einem Regenschirm unterwegs...














Eigentlich wollte ich in einem der Lokale essen gehen, dort war es aber derart überfüllt, dass die Menschen teilweise draußen auf einen freien Tisch warten mussten, also kehrte ich zum WoMo zurück und "brutzelte" mir selbst ein leckeres Abendessen; es gab Leberkäse mit Spiegeleiern, dazu Kartoffelsalat.

Gegen Abend hatte der Himmel endlich ein Einsehen; es lockerte ein wenig auf und plötzlich kam etwas riesiges Gelbes zum Vorschein, dessen Name mir momentan partout nicht einfallen will! Ein schöner Sonnenuntergang (ach ja, Sonne!) über der Bucht versöhnte mich ein wenig. Und der Wetterbericht für morgen sah eigentlich auch gar nicht so schlecht aus... ;-)




Sonntag, 13. August 2017

Her Royal Highness, Lady Kyloe, Dutchess of Skye

Ich bin gestern bereits um kurz nach 21:00 Uhr schlafen gegangen, kein Wunder nach der etwas anstrengenden Fahrerei. Daher war ich heute bereits um 7:00 Uhr auf den Beinen, putzmunter und gut ausgeschlafen! Ich verließ den komfortablen Campingplatz ca. eine Stunde später und machte mich auf den Weg.

Die Strecke von Fort William bis zur Brücke zur Isle Of Skye beim kleinen Nest Kyle of Lochalsh war recht abwechslungsreich, das Wetter allerdings auch: Nebel, Regen, Hagel und ansonsten bedeckter, trüber Himmel! Nur die Sonne fehlte in diesem "Sortiment". Gegen Mittag wurde es etwas besser und ich machte einen kleinen Zwischenstopp beim sehenswerten Schloss Eilen Donan Castle, kurz vor der Ortschaft Dornie. Hier herrschte wieder ziemlicher Betrieb; mehrere große Busse und Unmengen an PKW standen auf dem Parkplatz, und es "wuselten" überwiegend asiatische Touristen am Ufer des Loch Duich herum.




Das Schloss liegt auf einer kleinen Landzunge, die bei Flut zu einer Insel wird, und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist Stammsitz des schottischen Clans der Macrae und wird heute als Museum genutzt.


Nachdem ich hier bei ganz passablem Wetter ein paar schöne Fotos gemacht und mich etwas im Visitor Center sowie im angeschlossenen Shop umgesehen hatte, ging es weiter in Richtung Brücke, die jetzt nur noch etwa 15 km entfernt war.


Schließlich fuhr ich über die 500 m lange und 1995 erbaute Skye Bridge auf die Isle Of Skye, die größte Insel der Inneren Hebriden. Sie liegt unmittelbar vor der Westküste Schottlands im Atlantischen Ozean. Eigentlich wollte ich ja schon gestern hier eintreffen...

Durch den Wechsel auf die Insel änderte sich auch die Landschaft: Die sanft geschwungenen Hügel und Berge waren hier weitgehend nur mit Gras bewachsen, während auf dem Festland der Baumbestand vorherrschte. Auf jeden Fall sah es hier sehr schön aus!

Nach eine kurzen Fahrt erreichte die kleine Stadt Broadford, wo ich eine etwas längere Mittagspause einlegte und auch meinem WoMo wieder 'mal einen vollen Tank spendierte; dafür wurden umgerechnet ca. 1,28 EUR pro Liter fällig...

Danach fuhr ich weiter, Richtung Nordwesten, denn ich wollte heute noch ein ganz besonderes landmark erreichen. Auf dem Weg dorthin sah ich in der Ferne einige PKW und auch zwei Wohnmobile am Straßenrand stehen. Ich fragte mich, was es dort wohl zu sehen geben würde und wunderte mich ein wenig, dass hier das Objekt bzw. die Objekte der Begierde ein paar Rindviecher waren, die hier die Touristen offenbar scharenweise anlockten!

Nun sieht man diese beliebten Rinder bei uns zuhause auch nicht gerade selten, aber auf Schottische Hochlandrinder im Schottischen Hochland zu treffen, ist natürlich schon etwas besonderes. Also hielt auch ich dort an und machte mich auf den kurzen Weg zur Wiese, um ein paar Fotos zu machen. Ich wette, die Kühe freuten sich über so viel Abwechslung... ;-) 


Etwas erhöht saß das absolute Prachtexemplar von Rind, viel zu stolz (oder zu faul?), um bis zum Zaun zu laufen und sich von den merkwürdigen Zweibeinern "begrabschen" zu lassen. Eigentlich weiß ich gar nicht genau, ob es sich dabei um ein Weibchen oder ein Männchen handelte, aber ich nannte sie spontan Lady Kyloe (Kyloe heißt diese Rasse hier in Schottland)!


Auf der weiteren Strecke hielt ich etliche Male an, um zu fotografieren; diese Insel hat wirklich ihren ganz eigenen Charme!




Schließlich erreichte ich Neist Point, eine kleine Landzunge, die mit ihrem Leuchtturm den westlichsten Punkt der Insel markiert. Die Anfahrt war "Abenteuer pur", denn zunächst musste man etwa 16 km auf einer single file road fahren, d.h. auf einer einspurigen Straße, die nur ab und zu ein paar Ausbuchtungen bietet, um den Gegenverkehr durchzulassen. Normalerweise herrscht auf solchen Straße ziemlich wenig Verkehr, und man sieht entgegen kommende Fahrzeug bereits eine Weile vorher, aber hier, wo gerade sehr viel Touristenverkehr herrschte, war es echt anstrengend, diese Strecke zu fahren, und man musste sich wirklich sehr konzentrieren!

Noch viel schlimmer wurde es, als ich das letzte Stückchen Straße bis zu einem scharfen Links-Rechts-Knick mit Durchfahrtsgatter fuhr, an dem bereits viele PKW und auch Wohnmobile parkten. Hier wollten viel zu viele Leute auf viel zu schmalem Weg in die eine oder andere Richtung, und alles steckte auf einmal fest! Es dauerte eine ganze Weile, bis man sich endlich geeinigt hatte, wer nun zuerst fahren und wer warten musste. Als ich diesen Knick endlich passiert hatte, suchte ich mir sofort einen Platz am Straßenrand, denn ich war mir sicher, dass ganz vorn, wo es eigentlich einen kleinen Parkplatz geben sollte, mit Sicherheit kein Platz mehr sein würde. Es ging hier noch ein Stück bergauf, deshalb konnte ich überhaupt nicht erkennen, wie weit es noch bis dorthin sein würde, aber das war mir jetzt egal.

Ich parkte mit den beiden rechten Rädern auf der Straße und mit den linken... im Matsch! Hoffentlich kam ich hier nachher wieder heil heraus! Dazu kam auch noch eine absolut abenteuerliche Schräglage, sowohl in Längs- als auch in Querrichtung! Nachdem ich den Motor abstellte und kurz auf die Bordtoilette wollte, fiel ich eher in den hinteren Teil des Wohnmobils, als dass ich ging! Auf jeden Fall konnte ich hier nicht übernachten, so viel stand schon 'mal fest!

Ich machte mich fertig und verließ mein Wohnmobil. Erst jetzt konnte ich mich endlich in Ruhe umsehen und die wunderschöne Küstenlandschaft genießen. Mein  Ziel war, nach einem Blick auf mein Smartphone zu urteilen, nur etwa einen Kilometer entfernt, kein Problem also, zu Fuß dorthin zu laufen!


Die 100 m aufragende Felsklippe, die ich dann zu sehen bekam, war echt spektakulär und atemberaubend! Ich wusste durch meine Vorbereitungen, dass man den dahinter befindlichen Leuchtturm nur sehen konnte, wenn man noch weiter nach rechts gehen würde, denn ganz am Ende der Halbinsel ging es wieder hinunter.


Die wenigen Schafe hier haben für die tolle Aussicht anscheinend nichts übrig und widmen sich lieber ihrer Lieblingsbeschäftigung: Rasen mähen!


Der unter Denkmalschutz stehende und 19 m hohe Leuchtturm wurde 1909 in Dienst gestellt; er wird immer noch genutzt, allerdings automatisiert, so dass sich niemand ständig dort aufhalten muss.




Ich hielt mich hier über eine Stunde auf und machte unzählige Fotos; meine Hoffnung, dass sich die Sonne doch noch 'mal sehen lassen würde, wurde leider nicht erfüllt! Eigentlich hatte ich vorgehabt, bis zum Leuchtturm zu wandern, allerdings wusste ich, dass die Anlage selbst nicht so besonders sehenswert sein und sich in ziemlich verwahrlosten Zustand befinden sollte. Außerdem war da noch ein weiteres Problem! Mit dem Übernachten hier, was ich ebenfalls angedacht hatte, wurde es natürlich nichts, denn hier war alles überfüllt und der erwähnte "Parkplatz" war eher ein kleiner Wendeplatz. Parken am Straßenrand kam auch nicht in Frage, denn hier gab es offenbar keine zusammenhängenden 7,43 Meter, die einigermaßen horizontal waren! Also musste ich notgedrungen wieder ganz zurück, um mir einen Schlafplatz für heute zu suchen...

In meinem Reiseführer wurden drei verschiedene Ausweichmöglichkeiten aufgezeigt, darunter sogar ein Campingplatz. Der war leider ebenfalls komplett ausgebucht und die beiden Alternativen entpuppten sich als nicht akzeptabel. Schließlich fand ich am Straßenrand einen etwas erhöht liegenden Parkplatz, auf dem ich unterkommen konnte; dort war ich "mutterseelenallein"! Eigentlich war es auch kein Parkplatz, sondern ein Recycling Point; hier standen ein paar Container für Plastik, Glas, Papier und Restmüll. War mir aber egal, allerdings rechnete ich im Stillen bereits damit, dass das Wecken morgen früh wohl der Mülllaster für mich übernehmen würde... ;-)



Samstag, 12. August 2017

Warten auf Harry Potter...

In der Nacht hat's wieder sehr stark geregnet, und die Tropfen "hämmerten" nur so auf das WoMo-Dach; ein ziemlicher Lärm, aber dieses Mal machte es mir nichts aus.

Nach dem Frühstück machte ich mich wieder auf den Weg; ich hatte mir vorgenommen, noch heute die Insel Skye zu erreichen, wegen der tollen Landschaft ebenfalls ein touristisches Highlight! Daraus wurde leider nichts, aber dazu später mehr...

Mein erstes Etappenziel für heute war der 1822 fertiggestellte Caledonian Canal, der die Ostküste und die Westküste Schottlands miteinander verbindet. Er beginnt im Nordosten bei Inverness, verläuft nur zu etwa einem Drittel in einem künstlich geschaffenen Bett und mündet nach 97 km hier bei Fort William in den Loch Linnhe. Dabei hat er ein großes Gefälle zu überwinden, weshalb für den überwiegend touristischen Schiffsverkehr insgesamt 29 Schleusen zu passieren sind. Auf meiner Strecke nach Mallaig (von dort geht die Fähre auf die Isle Of Skye) liegt die so genannte Neptune's Staircase, eine aus insgesamt acht(!) Kammern bestehende Schleusenanlage, übrigens die größte Schleusentreppe in ganz Großbritannien.

Bevor man von der Hauptstraße nach rechts zu einem Parkplatz abbiegen kann, passiert man erst 'mal einen beschrankten Bahn-... ähm... Schiffsübergang! Ich hatte Glück, denn der wurde gerade eben geschlossen, um ein mit Touristen besetztes Ausflugsschiff durchzulassen. Komisches Gefühl, wenn an einer solchen Einrichtung statt des erwarteten Schnellzugs ganz gemächlich ein Schiff vorbei getuckert kommt... ;-) 


Kurze Zeit später parkte ich mein Wohnmobil auf dem großen, noch fast leeren Parkplatz, der gleich neben der Schleusenanlage liegt. Da es noch ziemlich früh war, traf ich auch dort auf keine Touristen und konnte mir in aller Ruhe die Ankunft des eben erwähnten Schiffs anschauen. Für dessen Überwindung der ersten Schleusenkammer hatte ich allerdings nicht genug Geduld; immerhin benötigt ein Schiff ca. 90 Minuten, um den Höhenunterschied von nur 20 m zu bewältigen. Ich stieg daher weiter "nach oben" und machte ein paar Fotos. Das Wetter war um diese Zeit sehr schön, wenn auch noch etwas kalt.




Nachdem ich mir alles ausführlich angesehen hatte, ging ich zurück zum Parkplatz, wo gerade zwei riesige Busse aus Österreich eintrafen. Ich machte ich mich wieder auf den Weg; vorher hatte ich von hier aus allerdings noch eine schöne Gelegenheit, den Ben Nevis, den größten Berg Großbritanniens, in seiner ganzen Pracht bestaunen und natürlich auch fotografieren zu können.


Nun war mein zweites Vorhaben dran, auf das ich mich schon seit Tagen freute! Ich fuhr bis zum kleinen Dorf Glenfinnan, am Nordrand des Loch Shiel, und parkte auf dem Besucherparkplatz des zum Glenfinnan Monument gehörenden Besucherzentrums. Das Monument wurde im Jahr 1815 erbaut, um den geschichtlich bedeutenden Platz zu markieren, an dem 1745 Prinz Charles Edward Stuart (auch Bonnie Prince Charlie genannt) seine Standarte hisste. Dies war der Beginn der zweiten Jacobiterrevolte, die nur 8 Monate später mit der Schlacht bei Culloden ihr tragisches Ende fand; Fans der TV-Serie Outlander wissen genau, wovon ich spreche... ;-) 


Aber fast vergaß ich bei all den geschichtlichen Daten, zu erwähnen, dass ich nicht etwa wegen des Monuments hier war, sondern wegen etwas ganz anderem! Ein paar Hundert Meter hinter dem Besucherzentrum verlief nämlich die Eisenbahnstrecke von Fort William nach Mallaig, und auf der fuhr genau zweimal täglich der Jacobite Stream Train, ein historischer Dampfzug, der hier malerisch auf einem langgestrecktem Viadukt das Tal überquerte. Die meisten Menschen kennen diesen Zug allerdings unter einem anderem Namen: Harry-Potter-Zug! Jawohl, das ist der berühmte Hogwarts Express, der zusammen mit dieser Bilderbuchlandschaft schon in mehreren Harry-Potter-Filmen zu sehen war und inzwischen eine Berühmtheit geworden ist.

Kurz vor 11:00 Uhr sollte der Zug in Richtung Mallaig vorbeikommen, ich war aber schon gegen 9:00 Uhr auf dem Parkplatz und nutzte die Zeit, mich etwas umzusehen. Das Besucherzentrum hatte leider noch geschlossen, und so ging ich ein Stückchen die Straße bergauf, um den kleinen Abzweig (mit einem weiteren, aber sehr kleinen Parkplatz) zu lokalisieren, auf dem ich später in Richtung Viadukt wandern würde.

Als ich zurück kam, war der Parkplatz zu meinem Erstaunen schon komplett belegt, auch die beiden österreichischen Busse waren bereits eingetroffen. Weitere PKW und auch ein paar Wohnmobile versuchten vergeblich, dort noch Platz zu finden und parkten daher (verbotenerweise) in recht abenteuerlicher Art und Weise am nicht befestigten Straßenrand. Der Verkehr nahm derartig zu, dass es fast lebensgefährlich war, hier die kleine und unübersichtliche Straße zu überqueren! Im Nachhinein war ich froh, so früh angekommen zu sein. Der Andrang, so viel stand jetzt fest, hatte gewiss nichts mit dem Monument zu tun, sondern wohl eher mit dem Zug, und so kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass ich wohl doch nicht der einzige sein würde, der da oben am Berghang "klebend" auf den Zug warten und ein paar einzigartige Fotos machen würde... ;-)

So kam es dann natürlich auch! Zur rechten Zeit machte ich mich erneut auf den Weg; ich benötigte etwa 30 Minuten vom Parkplatz bis zu einer Stelle, von der aus ich einen guten Blick von schräg oben aus das Viadukt hatte. Ich schätze, dass wohl an die 70 bis 80 weitere Touris hier mit mir auf den berühmten Zug warteten.


Der kam dann auch, superpünktlich, um 10:54 Uhr! Erst auf dem Viadukt betätigte der Lokführer den kleinen Knopf mit der Aufschrift "Steam", also "Dampf", und so gab's dann kein Halten mehr für die vielen Foto- und Videokameras! Ich hatte mein iPhone vorher an einem dünnen Strauch befestigt, um eine Videoaufnahme starten zu können, und hoffte, dass der leichte Wind nicht dazu führen würde, die vorher mühsam angepeilte Aufnahmerichtung zu verändern! Während der Zug vorbeifuhr, machte ich mit der Fotokamera jede Menge Fotos; das Wetter war in diesem Augenblicken absolut perfekt!




Nach diesem Spektakel ging es weiter in Richtung Mallaig. Unterwegs gab es reichlich Gelegenheiten, anzuhalten und die schöne Landschaft zu fotografieren.

Hinter einer Baustelle mit Ampelbetrieb kam es wegen der extrem engen Straße zu einem Kontakt meines rechten Außenspiegels mit dem eines in Gegenrichtung an der Ampel wartenden anderen Wohnmobils, der immerhin so stark war, dass der Spiegel einklappte! Ich musste eine ganze Weile weiterfahren, bevor ich eine Gelegenheit fand, zu halten, und war sehr erleichtert, dass ich beim Ausklappen des Spiegels absolut keinerlei Beschädigung feststellen konnte; wieder 'mal Schwein gehabt... ;-)

Schließlich erreichte ich Mallaig. Ich fuhr sofort durch den Ort hindurch bis zum Fähranleger, wo ein unglaublicher Andrang herrschte! Ein Einweiser fragte mich nach meinen Tickets, die ich natürlich nicht vorweisen konnte, und verwies mich energisch auf das Office der Fährgesellschaft! Also wieder zurück und erst 'mal einen Parkplatz suchen, was gar nicht so einfach war; der Ort schien gerade aus allen Nähten zu platzen, und ich musste doch tatsächlich einmal komplett um die kleine Bucht herum fahren. Erst dort fand ich gerade eben noch eine Parklücke, die groß genug war. Hier standen bereits ein paar andere Wohnmobile, die auf die Nachmittag-Fähre warteten.




Ich ging also zu Fuß in den Ort zurück. Im Office musste ich dann ganz tapfer sein: Für heute war leider alles ausgebucht, und, ich wollte es kaum glauben, für morgen (Sonntag) auch! Erst für den Montagvormittag könne ich Tickets bekommen, sage man mir mit leichtem Bedauern!

Na, bravo! Das war sehr bitter, denn so lange wollte ich natürlich nicht warten! Weiter nördlich gibt es nämlich noch eine Brücke, die direkt zur Insel hinüber führt, aber das bedeutete einen Umweg von fast 200 km! Und der führte über... Fort William(!), von wo ich ja heute morgen aufgebrochen war!

Aber da nützte kein Jammern, denn es gab keinerlei Alternativen! Ich musste wirklich wieder ganz zurück, dieses Mal allerdings ohne Pausen, ohne unplanmäßige Außenspiegelkontakte, ohne Harry Potter und ohne Schleusenanlage (mit Ausnahme derjenigen über mir, die gerade wieder ihren "Dienst" angetreten hatte), und so fand ich mich plötzlich ganz unerwartet ein zweites Mal auf dem Glen Nevis Caravan Park wieder, wo man mich an der Rezeption sogar erkannte... ;-)

Was meine Reiseroute anbelangte, hatte ich nun genau einen Tag "verloren", aber immerhin hatte ich Neptune's Staircase besucht und den berühmten Hogwarts Express gesehen, vor daher war das natürlich kein wirkliches Problem! Dafür würde ich dann morgen bis zur Brücke eine Strecke fahren, die ich sonst gar nicht kennengelernt hätte...

Freitag, 11. August 2017

Die weißen Häuser von Inveraray

Langsam, aber sicher, zeigt das Schottland-Wetter sein wahres Gesicht: heute hat‘s den gesamten Tag über geschüttet! Vormittags kam dazu noch ein so dichter Nebel auf, dass man sogar den Regen nicht mehr richtig sehen konnte; ist das nun gut oder schlecht...? ;-)

Mein erstes Ziel heute war der mit etwa 500 Einwohnern eher winzige Ort Inveraray, direkt am Meeresarm Loch Fyne gelegen. Mein Reiseführer hatte mir versprochen, dass man die typisch weißen Häuser bereits von weitem würde sehen können, aber das war natürlich heute 'mal rein gar nix! Die sah ich erst, als ich direkt davor stand! Eigentlich wollte ich sogar noch einen kleinen Abstecher zum Inveraray Castle machen, aber die Abfahrt dorthin habe ich wegen der miserablen Sicht leider auch verpasst.

Der Ort selbst ist recht schön anzuschauen; die fast durchweg weißen Häuser sind tatsächlich sehr sehenswert, fast der gesamte innere Bereich ist denkmalgeschützt! Als ich direkt am kleinen Hafen einen Parkplatz fand, regnete es gerade besonders stark. Ich hatte ich die Wahl, entweder im Wohnmobil zu bleiben oder auszusteigen und mir den Ort anzusehen. Die Chance, dass sich das Wetter in absehbarer Zeit bessern würde, war sehr gering, also schnappte ich mir meine Kamera und einen Regenschirm, und zog los.

Wer mich kennt, der weiß, dass die Chance, mich mit einem Regenschirm zu sehen, in etwa der eines Sechsers im Lotto mit drei richtigen Superzahlen entspricht! Eher pflückt man zufällig einen riesigen Strauß vierblättriger Kleeblätter, als dass sowas passiert... ;-) Aber es nützte ja nichts, andernfalls wäre ich wirklich triefnass statt nur nass geworden!






Das 1820 fertiggestellte Gerichtsgebäude von Inveraray, dessen Front ausnahmsweise 'mal nicht weiß verputzt ist, sondern aus Quadersteinen gemauert wurde, beherbergt gleichzeitig auch das Gefängnis, wie praktisch! 


Etwa eine Stunde später machte ich mich wieder auf den Weg, Richtung Norden. Eines der Highlights meiner Reise ist das Glen Coe, ein wunderschönes, lang gestrecktes Tal in den schottischen Highland. Natürlich wünscht man sich für so einen Besuch etwas besseres Wetter, aber das kann man sich ja leider nicht aussuchen. Deshalb hielt ich nur ein paar Mal an, um einige Fotos zu machen, denn von den Schönheiten des Tals konnte ich die meisten gar nicht sehen. Ein Genuss war es trotzdem, die Fotos werden diesen Eindruck aber nur schwer vermitteln können...

Dieses beeindruckende Fleckchen Erde war auch schon Schauplatz von Dreharbeiten weltbekannter Filme, darunter Braveheart, Highlander, Rob Roy, James Bond 007: Skyfall und Harry Potter: Der Gefangene von Askaban.






Am Ausgang des Tals liegt das schön gestaltete Besucherzentrum, das ich mir ebenfalls ausführlich  angesehen hatte. Danach ging es weiter nach Fort William, mit ca. 5.000 Einwohnern der größte Ort in den westlichen Highlands. Ganz in der Nähe des Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens, liegt der gut ausgestatteten Campingplatz, der Glen Nevis Caravan Park, mit umgerechnet etwa 19 Euro gar nicht mal so teuer!

Ich muss gestehen, dass ich wirklich froh war, jetzt einen Platz mit allen Annehmlichkeiten gefunden zu haben, denn bei dem echt üblen Wetter heute hatte ich keine große Lust, noch irgendwo abseits der Zivilisation im Schlamm stecken zu bleiben! Ich faulenzte genüsslich den Rest des Tages, der sich sogar noch mit ein paar schüchternen Sonnenstrahlen verabschiedete. Hoffentlich wird's morgen wieder etwas besser mit dem Wetter...




Donnerstag, 10. August 2017

Early Tea Time am Loch Lommond

Das schöne Wetter von gestern hat's bis heute leider nicht geschafft; zwar gab es am frühen Morgen noch etwas Sonnenschein, aber eben auch schon sehr viele Wolken. Den ganzen Tag über war es dann überwiegend bewölkt, nur ganz selten kam 'mal ein Sonnenstrahl durch. Ok, immer noch besser als Dauerregen... ;-)

Für heute hatte ich eigentlich kein festes Tagesziel, unter anderen auch deshalb, weil ich nicht wusste, wie schnell ich hier voran kommen würde. Ich verließ den Parkplatz bei Girvan und fuhr, immer möglichst an der Küste entlang, über Ayr und Irvine bis nach Erskine, etwas nordwestlich von Glasgow. Die schottische Metropole (die größte des Landes noch vor Edinburgh) wollte ich nicht besuchen, deshalb ging es zügig über die Erskine Bridge, die über den River Clyde führt, bis zum kleinen, aber sehr lebendigen Touristenziel Luss, direkt am berühmten Loch Lomond gelegen.

Der Loch Lomond liegt etwa 23 km nördlich von Glasgow und gilt als Schottlands schönster See, gleichzeitig ist er mit 71 qkm auch der größte! Er liegt im Nationalpark Loch Lomond And The Trossachs und erstreckt sich von Nord nach Süd über fast 40 km.

In Luss war unglaublich viel los! Der Parkplatz am See war zwar sehr groß, aber leider "rappelvoll", und so musste ich mit meinen WoMo ganz vorsichtig ein paar Male ganz herumfahren, um letztlich einzusehen, dass ich hier wohl keinen Platz finden würde. Selbst wenn ich Glück hatte, dass ein PKW 'mal wegfuhr, war die Parklücke meistens viel zu klein und vor allem zu kurz für mein fast 7,50 m langes Fahrzeug. Also verließ ich den Ort wieder, fuhr zurück auf die A82 und ein Stückchen weiter nach Norden, bis ich auf einen der Rastplätze traf, die hier für deutsche Verhältnisse relativ häufig zu finden waren. Dort gab's reichlich Platz, denn es stand kein anderes Fahrzeug dort. Wozu hatte ich denn eigentlich mein Fahrrad dabei?

Also stellte ich mein WoMo ab, holte mein Fahrrad aus der "Garage", überquerte die Straße und fand auf der anderen Seite einen Fahrradweg, der direkt am See entlang zurück nach Luss führte. Das hätte ich gleich so machen sollen; nun ersparte ich mir auch noch die horrenden Parkplatzgebühren hier im Ort! ;-)

Ich stellte mein Bike ab und sah mir zuerst einmal die kleinen Shops an, die hier vor Touristen fast überquollen.


Danach ging es durch das kleine Dorf in Richtung Seeufer. Die hübschen, meist langgestreckten Häuschen gefielen mir schon 'mal sehr gut.




Direkt am Seeufer war es merkwürdigerweise nicht ganz so überfüllt wie im Dorf. Eine kleine Fähre hatte gerade den Anleger verlassen und brachte die Passagiere an das andere Ufer, wo man wunderbar wandern konnte.




In einen gemütlichen, aber fast überfüllten Lokal, dem Coach House Coffee Shop, bestellte ich mir (leider etwas vor der Tea Time!) einen Cappuccino und, zum allerersten Mal in meinem Leben, ein Scone! Eigentlich sagt man immer Scones, also Plural, auch wenn man nur eines dieser besonderen Gebäckstücke verspeisen möchte. Dazu gibt's Butter, Marmelade und vor allem clotted cream, ein aus roher Kuhmilch hergestellter, dicker Rahm, der ein wenig nach Mascarpone schmeckt. Alles in allem: sehr, sehr lecker! Hätte ich gern jeden Morgen zum Frühstück, bitte... ;-)

Ich sprach mit einem der Kellner, die hier übrigens alle im Schottenrock herumliefen, wie man die Scones hierzulande isst, und er bestätigte mir das, was ich auch vorher schon häufig gehört oder gelesen hatte: auf das Gebäck kommt zuerst die Butter, dann die Marmelade und oben drauf ein gehöriger Klecks Creme!


Nach einer kleinen Pause führ ich weiter in Richtung Norden bis nach Tarbet; dort hielt ich noch einmal auf einem Parkplatz direkt am Seeufer, der nicht so überfüllt war wie der in Luss. Hier hätte ich eigentlich auch kostenlos übernachten dürfen, aber ich fand, es war noch etwas zu früh, um jetzt schon "Feierabend" zu machen. Also studierte ich meine diversen Reiseführer, und dabei "stolperte" ich über eine weitere Übernachtungsmöglichkeit auf einem sehr schön gelegenen, nur 13 km von Tarbet entfernten Picknickplatz, dessen Name mich gleich hellhörig machte: "Rest And Be Thankful". Was für ein Name! Das muss ich sehen...

Als ich dort ankam, waren fast alle der wenigen Parkplätze belegt, allerdings hielten die meisten Leute hier nur an, um einen kurzen Blick in das wunderschöne Tal zu werfen. Ich wartete ein paar Minuten und fand dann einen bestens geeigneten Platz.


Der Picknickplatz liegt auf einer Art Sattel und sein eher seltsamer Name gehört eigentlich zum gleichnamigen Gebirgspass in der Grafschaft Argyll. Die Ausblicke auf die umliegenden Berge und vor allem in das viel tiefer gelegene Tal sind wirklich wunderschön; jetzt kam ab und zu sogar noch 'mal die Sonne zum Vorschein und bereitete mir einen schönen Tagesabschluss!




Gegen Abend wurde es immer leerer; am Ende standen hier lediglich drei Wohnmobile (meines eingeschlossen), und nur ganz selten kam noch 'mal der eine oder andere PKW vorbei...

Mittwoch, 9. August 2017

Wer braucht eine Insel...?

Mein heutiger Tag begann bereits um 7:00 Uhr, und zwar bei allerschönstem Wetter! Das macht das Aufstehen noch viel leichter, und nach einem guten Frühstück verließ ich, lange, bevor der Parkplatz überhaupt den ersten Besucher gesehen hatte, den Gretna Green in Richtung Meer.

Ich wollte auf der B724 nach Westen fahren, immer relativ nahe an der Küste, um Caerlaverock Castle zu besuchen. Das klappte auch eine Weile ganz gut, bis ich nach links auf die B725 abbiegen sollte. Die Straße war aber leider komplett gesperrt; die Beschriftung auf dem entsprechenden, irgendwie eigenartig wirkenden Hinweisschild konnte ich zwar lesen, aber ich verstand leider nur "Bahnhof"! Auf jeden Fall war da etwas von Dumfries zu lesen, das ist der nächstgrößere Ort hier in der Nähe. Nach einem Blick auf die Karte wusste ich, dass der etwa 20 km lange Umweg über Dumfries eine zweite Möglichkeit war, um zur Schlossruine zu gelangen; eigentlich wollte ich meine Route erst nach deren Besuch in Richtung Dumfries fortsetzen.

Aber, was soll's! Ich hatte genügend Zeit, und ich wollte meine Schottland-Rundreise nicht gleich am ersten Tag damit beginnen, etwas auszulassen! Ich fuhr also zunächst nach Dumfries, ein sehr hübscher Ort übrigens. Dort gab's 'ne Menge Verkehr, und es dauerte eine ziemliche Weile, bis ich den Ort endlich Richtung Süden wieder verlassen konnte.

Nun fuhr ich am River Nith entlang, eine wunderschöne Strecke, und machte eine kurze Pause im kleinen Nest Glencaple, das direkt am Fluß liegt und am alten Hafen einen kostenlosen Parkplatz bietet, auf dem auch Wohnmobile übernachten dürfen. Der Blick von dort auf den Fluß lohnt sich! 




Eigentlich wollte ich mir dort noch eine weitere "Sehenswürdigkeit" ansehen, nämlich den ehrwürdigen Glencaple Tea Room, gleich neben dem Parkplatz; der war aber leider abgebrannt und bis auf weiteres geschlossen!

Nun fuhr ich die restliche Strecke bis zur erwähnten Schlossruine. Mein Reiseführer hatte mich vorgewarnt: auf den großzügigen, zur Anlage gehörenden Parkplatz würde ich wohl nicht gelangen können, denn dazu musste man durch ein steinernes Einfahrtstor mit einer Durchfahrtshöhe von nur 10 Fuß fahren, also etwa 3,05 m. Meine dicke bzw. in diesem Fall eher hohe "Hannelore" bringt es zwar "nur" auf 2,96 m, aber das war mir einfach zu knapp! Die lange Zufahrtsstraße war extrem schmal, und so hoffte ich inständig, diese Strecke nicht gleich wieder rückwärts zurückfahren zu müssen, aber diese Befürchtung war grundlos: direkt vor den Torbogen gab's eine kleine Parknische, in die mein WoMo gerade so eben hineinpasste!

Ich ging durch's Tor und traf gleich auf das kleine Besucherzentrum (siehe Foto) mit angegliedertem Shop und Mini-Museum; darin war es urgemütlich, und es roch verdammt gut nach Essen, so dass mir ungefragt das Wasser im Mund zusammen lief!




Eine sehr hübsche, junge Frau begrüßte mich herzlich, und es entwickelte sich ein nettes Gespräch über Dies und Das. Sie lobte meine Englischkenntnisse, vor allem meine Aussprache, und ich wunderte mich im Gegenzug darüber, dass ich sie so gut verstehen konnte! Ich fragte sie danach, und sie verriet mir, dass sie eben nicht aus Schottland, sondern aus England stamme und hier vor Jahren irgendwie "hängengeblieben" sei; kein Wunder also! Ich fragte außerdem nach dem bogenförmigen Einfahrtstor und erfuhr, dass die 10 Fuß Höhe leider nur für die Mitte galt und eben nicht an den Seiten; gut, dass ich erst gar nicht versucht habe, dort durchzufahren... ;-)

Sie riet mir, statt eines Einzeltickets für 6,50 Pfund lieber den Historic Scotland Explorer Pass zu kaufen, mit dem man kostenlosen Zugang zu vielen anderen Schlössern und Burgen in Schottland haben würde. Da ich vorhatte, noch weitere solcher Sehenswürdigkeiten zu besuchen, ließ ich mich überreden und zahlte dafür 42 Pfund. Bin gespannt, ob sich das am Ende meiner Reise gerechnet haben wird...

Nun war es aber an der Zeit, das Schloss bzw. das, was davon noch übrig war, zu besichtigen! Das Besondere an dieser Wasserburg ist der dreieckige Grundriss. Zwei gewaltige Rundtürme markieren das Eingangstor, an den anderen beiden Ecken befindet sich jeweils ein weiterer. Ich sah mir alles genau an und machte viele Fotos. Die meiste Zeit war ich, abgesehen von den vielen Tauben, die es hier anscheinend besonders gemütlich fanden, allein; erst kurz vor Ende meines Besuchs kamen vereinzelt weitere Touristen in mein Blickfeld. Hier ein paar Bilder von außen und vom Inneren dieser imposanten Anlage; der Besuch hat sich meiner Ansicht nach gelohnt:








Ein kleiner Spaziergang durch den Wald führt übrigens zu den Fundamenten des ersten Schlosses; außer ein paar alten Grundrissen gibt's dort allerdings kaum 'was zu sehen...

Kurz nach Mittag war ich dann wieder "on the road"; ich wollte zurück an's Meer und hatte mir deshalb die Hafenstadt Girvan ausgesucht, genauer gesagt, den kostenlosen Parkplatz Ainslie Park an deren Südende, auf dem Wohnmobile ausdrücklich gestattet sind. Als ich dort so gegen 15:00 Uhr eintraf, waren glücklicherweise noch einige Parkplätze frei. Viele waren nämlich durch Tagesbesucher, also durch PKW, besetzt; der Platz liegt direkt am Strand, und man hat einen wunderbaren Blick auf das Meer!

Ich stellte also mein WoMo ab und unternahm sofort einen ersten kleinen Spaziergang an den Strand. Nach wie vor hatte ich fantastisches Wetter, und mit 20 Grad war es für schottische Verhältnisse sogar recht warm!






Ich genoss den Rest des Tages im oder am Wohnmobil und schaute dem regen Treiben am Strand zu; später machte ich einen zweiten Walk am Strand entlang.






Um ca. 21:00 Uhr gab's einen herrlichen Sonnenuntergang zu bestaunen. Natürlich habe ich in meinem Leben schon unendlich viele Sonnenuntergänge gesehen, aber ich finde, daran kann man sich wohl niemals sattsehen...


Die markante, von hier aus halbrund wirkende Felseninsel auf dem vorigen Foto heißt übrigens Ailsa Craig, zu deutsch etwa "Elisabeths Insel". Sie ist etwa 16 km entfernt, 338 m hoch und vulkanischen Ursprungs. Sie  ist unbewohnt, für ca. 1,5 Millionen Pfund kann man sie kaufen... ;-)